Immer häufiger kann ich von Organisationen hören, die händeringend nach neuen Ehrenamtlichen suchen, um die bestehenden ehrenamtlichen Aufgaben weiter auszuführen. Viele Aufgaben können nur erledigt werden, weil einige bisherige Ehrenamtliche deutlich mehr Zeit investieren. Es gibt Organisationen, die haben das Ziel, dass jeder Ehrenamtliche nur eine einzige Aufgabe übernimmt - doch aus Mangel an engagierten Ehrenamtlichen, übernehmen die bisherigen Aktiven immer mehr Aufgaben. Wohl dem, der solche motivierten Menschen in seinen Reihen hat - wie einen kostbaren Schatz sollte man sie behandeln und ihre Leistung anerkennen.

Auf der anderen Seite gibt es Initiativen, die unwahrscheinliches auf die Beine stellen und das meiste mit ehrenamtlichen Mitarbeitern abdecken. Sie scheinen keinerlei Mangel an Ehrenamtlichen zu haben, ja, sie erhalten sogar noch Zulauf von Freiwilligen anderer Organisationen. In den vergangenen Jahren, als viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, wurde eine große Bereitschaft zur freiwilligen Arbeit in unserem Land sichtbar. Menschen ergriffen selbst die Initiative, es bildeten sich schnell neue Netzwerke oder neue Helfer stiegen genau in diesem Bereich in bestehenden Organisationen ein. Viele setzen sich bis heute ein und neue Ehrenamtliche kommen immer noch dazu, um genau an dieser Stelle mitzuarbeiten.

In dieser Entwicklung sieht man, was durch etliche Studien belegt wurde, die Bereitschaft ehrenamtlich tätig zu sein, hat nicht nachgelassen, aber die Motivation zum Ehrenamt hat sich geändert. Neben dem klassischen Verständnis vom Ehrenamt gibt es, seit einigen Jahren zunehmend, auch ein modernes Verständnis. In einigen Organisationen werden beide Varianten genutzt, meist in unterschiedlichen Arbeitsfeldern - wobei es beim modernen Ehrenamt leichter ist, neue Ehrenamtliche zu bekommen.

Das klassische Ehrenamt ist meist mit einer engen Bindung an einen Verein gekoppelt, mit dessen Werten ich mich identifizieren kann. Dort arbeite ich selbstverständlich mit, in aller Bescheidenheit und mit der Bereitschaft, mich ganz und über einen langen Zeitraum zu investieren. Es müsste viel passieren, dass ich aus der Organisation aussteigen würde, in der ich doch viel Gutes ehrenamtlich leisten kann.

Das moderne Ehrenamt stellt ein Element der eigenen Weiterentwicklung dar und bindet sich ungern verbindlich an Organisationen. Ich arbeite entweder in selbstinitiierten Initiativen oder mich begeisternden Projekten mit. Es ist mir wichtig, in diesem Projekt mitzugestalten und mitzubestimmen. Sobald ich mich nicht weiter entwickeln kann oder mich ausgebremst fühle, suche ich mir eine neue Einsatzmöglichkeit, die mich in meiner eigenen Biographie weiterbringt.

Beim Ehrenamt geht und ging es nicht darum Spaß zu haben, dafür sind die Freizeitaktivitäten da. Wichtige Ziele des Ehrenamts sind: etwas Gutes/Nützliches tun, Gemeinschaft haben und Anerkennung bekommen. Die Veränderung im Ehrenamt legt aber den Fokus neu. Beim klassischen Ehrenamt steht die Aufgabe, die erfüllt werden soll, im Mittelpunkt. Die Ehrenamtlichen sind dem Verein treu und werden durch die Ausführung ihrer Aufgaben motiviert. Beim modernen Ehrenamt steht jedoch der Ehrenamtliche im Mittelpunkt, er möchte sich weiter entwickeln und mitbestimmen. Seine Aufgaben erledigt er aus sich heraus optimal und zukunftsorientiert.

Dieser Wandel des Ehrenamtes stellt keine Wertung dar. Er wird in wissenschaftlichen Studien immer wieder beschrieben. Die Herausforderung stellt sich für unsere Vereine, Organisationen und Unternehmen - was ist heute dran, damit wir von dem großen Potential des Ehrenamtes auch in Zukunft profitieren können?

Wie denken Sie darüber?

Matthias Mack (Ehrenamtskoordinator)

Gefördert aus Mitteln der Deutschen Fernsehlotterie.