Das freiwillige Engagement (Ehrenamt) ist ein wesentlicher Grundbaustein unserer demokratischen Gesellschaft. Im Umkehrschluss ist es die Aufgabe des freiwilligen Engagements unsere Zivilgesellschaft, den sozialen Zusammenhalt und die Demokratie zu stärken.

Seit den vergangenen Jahren ist das freiwillige Engagement zwei Tendenzen ausgesetzt, die den eigentlichen Sinn des Ehrenamts zuwiderlaufen. Zum einen soll es immer wieder Aufgaben der öffentlichen Hand übernehmen und dient so als "Ausfallbürge" und zum anderen wird der Begriff des freiwilligen Engagements / Ehrenamts so beliebig gebraucht, dass dessen eigentliche Inhalte und Ziele nicht mehr zu erkennen sind.

Die Steuerungsgruppe des Arbeitskreises "Bürgerschaft und Demokratie" der Friedrich-Ebert-Stiftung, hat ein Impulspapier, als Denk- und Debattenangebot, erarbeitet. In der Debatte um die Zukunft des bürgerschaftlichen Engagements lohnt es sich, diese zehn Punkte intensiv mit zu bedenken. Im Folgenden geben wir eine kurze Zusammenfassung dieser zehn Punkte wieder.

Gutes Engagement ...

1.) ... ist zivil.

Der Umgang zwischen Menschen ist respektvoll und die Menschenwürde achtend, egal wie gleich oder verschieden die Menschen sind. Konflikte werden stets friedlich ausgetragen.

2.) ... fördert und erfordert Beteiligung.

Engagement fördert den Wunsch zur Mitsprache. Diesem Anliegen sollen in erster Linie die Vereine und Organisationen nachkommen, aber auch die Politik. Dafür bedarf es einer geeigneten Struktur.

3.) ... ist eine Säule vielfältiger Demokratie.

Wer sich freiwillig engagiert, leistet einen aktiven Beitrag für die Gestaltung unseres Gemeinwesens. Dieses produktive Zusammenwirken ist somit ein Element unserer vielfältigen Demokratie.

4.) ... stärkt die Bürgerinnen und Bürger.

Menschen bringen auf diese Weise öffentlich ihre Belange vor und nehmen so auch ihre Bürgerrechte wahr. Aktive Bürgerschaft sollte erlernt und immer wieder praktiziert werden.

5.) ... verdient Anerkennung.

Der freiwillige Einsatz sollte mit Anerkennung entlohnt werden. Für eine geeignete Anerkennung braucht es die Öffentlichkeit, dafür wäre eine stärkere Sensibilisierung der Medien notwendig.

6.) ... ist eigensinnig und gelegentlich unbequem.

Der freiwillige Einsatz bewegt sich nicht nur in bestehenden Verhältnissen und Strukturen. Dadurch besitzt er oft mehr Kraft und Kreativität, wird aber schnell als unbequem wahrgenommen.

7.) ... ist inklusiv.

Damit alle die Möglichkeit haben sich freiwillig und gleichberechtigt engagieren zu können, benötigt es einer Unterstützung, gerade für diejenigen, die es nicht ohne eigene Hilfe schaffen.

8.) ... erfordert materielle Absicherung.

Ein gutes Engagement ist eng mit einer existenzsichernden Arbeit und einer chancengerechten Bildung verbunden. Da der Einsatz unentgeltlich ist, muss man sich diesen auch leisten können.

9.) ... braucht Räume.

Obwohl freiwilliges Engagement häufig "vererbt" wird, braucht es (Lern-)Orte, in denen es erprobt und praktiziert werden kann. Das Bereitstellen solcher Räume, gehört vor allem in die kommunalen Bildungslandschaften.

10.) ... benötigt Zeit.

Bürgerschaftliches Engagement benötigt einen selbstverständlichen Eingang in die Bildungspolitik. Diese benötigt dafür, im Gegensatz zu den bisherigen Reformen, eine spürbare Entschleunigung.

 

Matthias Mack

Ehrenamtskoordinator Asyl (Diakonie Pirna)

 

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Das komplette Impulspapier der Friedrich-Ebert-Stiftung.