4 Ehrenamt 1

Überall in Vereinen, Kirchen und Organisationen, können wir ein positives Echo über das Ehrenamt vernehmen. Was alles mit Hilfe des Ehrenamtes geschaffen und aufrechterhalten wird, kann einen ins Staunen versetzen. Da gibt es die Faschingsveranstaltung für Menschen mit Behinderung, andere setzen sich seit Jahren für eine starke Demokratiebildung ein und wieder andere kümmern sich um eine schöne Gestaltung ihres Stadtteils.

Es gibt aber auch Unterschiede zwischen den Organisationen. Ein Verein muss seine Arbeit wegen Überalterung einstellen, ein anderer hat zwar viele Mitglieder, aber nur einige Aktive, die einen großen Teil der Aufgaben schultern müssen und andere Vereine scheinen regelrecht ein blühendes Ehrenamt zu haben.

 

 

Auf unserer Ehrenamtsplattform haben wir bereits das Moderne Ehrenamt und auch das Ehrenamt 4.0 betrachtet. Doch was ist wichtig, um von einem lebendigen Ehrenamt zu sprechen? Worin liegen die Herausforderungen für die Person, die die Verantwortung hat, das Ehrenamt zu führen, zu begleiten oder zu koordinieren? Die Grundvoraussetzung und vier bedeutende Schwerpunkte, stellen wir im Folgenden vor. Diese Übersicht kann natürlich an die entsprechende Organisation angepasst werden, aber die Grundvoraussetzung bleibt immer gleich.

Was verstehen wir unter einem lebendigen Ehrenamt: Die Ehrenamtlichen führen nicht einfach eine Aufgabe aus, sondern sind mit Hingabe und Eigeninitiative dabei. Sie sind bestrebt, ihren Bereich zu optimieren und reden begeistert zu Außenstehenden von der Organisation. Nach innen geben sie Kritik und Ermutigung und sind bereit, selbst bei Gestaltungsprozessen mit anzufassen. Wenn man sie fragen würde, ob sie diese freiwillige Aufgabe wieder übernehmen würden, antworten sie ohne Umschweife mit: Ja!

Grundvoraussetzung: Ohne gegenseitiges Vertrauen wird das Ehrenamt nicht lebendig werden bzw. bleiben. Vertrauen kann man nicht einfordern, Vertrauen kann jeder nur immer wieder neu schenken. Aus Zeitnot oder Desinteresse nicht im Gespräch zu sein, sollte nicht mit Vertrauen verwechselt werden. Es ist, in der Zusammenarbeit mit dem Ehrenamt, nicht notwendig eine Hierarchie zu leben, wenn man sich auf Augenhöhe begegnet. Es kann aber nur funktionieren, wenn dieses Vertrauen sich gegenseitig geschenkt und gepflegt wird. Zerstörtes Vertrauen wieder aufzubauen, ist ein sehr herausfordernder und langer Prozess, deswegen muss auf dieser Grundvoraussetzung das Hauptaugenmerk liegen. Ein guter Selbsttest, ob eine gute Grundlage da ist, ist die ehrliche Antwort auf folgende Frage: Freue ich mich, wenn ich die Ehrenamtliche sehe, oder reicht es mir, wenn sie einfach nur ihre Aufgabe ordentlich erledigt?

Die folgenden vier Punkte bauen auf einem gegenseitigen Vertrauen auf. Ohne das Vertrauen können es zwar vier technische Hilfsmittel sein, aber sie werden nicht zu einem lebendigen Ehrenamt führen. Es sind vier Felder, die die Person, die das Ehrenamt leitet, koordiniert oder begleitet, im Blick haben sollte. Diese Bereiche dienen dem Ehrenamt dazu, dass es langfristig motiviert bleibt und weiter wachsen kann. Es ist also das Beste für eine Organisation.

#Netzwerk: Es ist im Bereich mit Ehrenamtlichen besonders wichtig, ein gut funktionierendes Netzwerk, innerhalb und außerhalb der eigenen Organisation, aufzubauen. Dadurch wird nicht nur die Bekanntheit erhöht und so andere auf die Arbeit aufmerksam, sondern wir sind in der Lage, Ehrenamtliche direkt an entsprechende Hilfsangebote zu vermitteln. Das ist besonders wichtig, wenn die Ehrenamtlichen selber mit Menschen zusammenarbeiten, die entsprechende Unterstützung benötigen. Außerdem dient es dazu, von anderen Organisationen zu lernen, denn wir brauchen eine Sache nicht mehrmals erfinden bzw. einen Fehler öfters zu machen.

#Würdigung: Würdigung besteht nicht nur in passenden Geschenken oder Ehrenamtspauschalen, vielmehr ist ein wesentlicher Punkt, die Unterschiedlichkeit der Ehrenamtlichen untereinander und zum Hauptamt zu akzeptieren und für die Organisation nutzbar zu machen. Es ist unabdingbar, im persönlichen Kontakt zu bleiben und dabei die Ehrenamtliche in ihrer Individualität zu ermutigen. Natürlich ist es motivierend, wenn Höhepunkte und Orte der Begegnung und Erholung geschaffen werden. Genauso sind ein kleines Dankeschön, ein ehrliches Feedback und selbst eine ermutigende Fehleranalyse oder eine angebrachte Entschuldigung, Formen der Würdigung des Ehrenamtlichen.

#Information: Egal in welchem Bereich jemand tätig ist, alle brauchen natürlich die Informationen, die zwingend notwendig sind, um die Aufgabe zu erledigen. Das gilt natürlich auch für Ehrenamtliche, die oft zu anderen Zeiten zu erreichen sind, als die Hauptamtlichen. Es gibt aber auch Dinge, die man gemeinsam entwickelt und an die alle immer wieder erinnert werden müssen. Dazu gehört eine verbindende Vision, die auch als Information nach außen kommuniziert werden sollte. Eine solche Information muss so formuliert sein, dass sie bei anderen Interesse weckt und auf unterschiedlichen Kanälen verbreitet wird.

#Wege ebnen: Das ist nur möglich, wenn wir eng mit den Ehrenamtlichen verbunden sind und von ihnen die nötige Information bekommen. Dafür müssen wir für sie gut erreichbar sein, besonders wenn Schwierigkeiten auftreten. Wege ebnen beginnt damit, dass die Ehrenamtlichen eine Aufgabe erhalten, die genau zu ihnen passt. Es ist oft nicht die Aufgabe in der Organisation, die in unseren Augen zwingend zu vergeben ist. Das kann auch mal dahin führen, dass wir begabte Ehrenamtliche an einen anderen Verein vermittlen. Um Ehrenamtliche zu fördern ist nicht nur die geeignete Schulung notwendig, sondern es ist auch unsere Aufgabe, die Ehrenamtlichen immer wieder zu begeistern und auch positive Erfolge zu schaffen.

Wenn wir als Verantwortliche, die das Ehrenamt führen, begleiten oder koordinieren, selbst von unseren Aufgaben und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern begeistert sind, wird uns der Schritt zum lebendigen Ehrenamt gelingen. Es macht einfach Freude, in einem solchen lebendigen Umfeld zu arbeiten.

Matthias Mack (Ehrenamtskoordinator)

Gefördert aus Mitteln der Deutschen Fernsehlotterie.