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Die Zusammenarbeit von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen stellt dort die größte Herausforderung dar, wo beide Gruppen sehr eng zugunsten einer dritten Gruppe tätig sind. Dieses Beziehungsdreieck und die dazugehörigen Spannungen werden besonders in der Flüchtlingsarbeit deutlich, das stellt eine neue Studie der INBAS Sozialforschung im Auftrag des Bundesministeriums für FSFJ dar.

Deutlich werden in dieser Studie die Unterschiede von der ehrenamtlichen Tätigkeit in dem Bereich der Flüchtlingsarbeit zu anderen ehrenamtlichen Einsatzbereichen dargestellt. Die ehrenamtliche Arbeit in diesem Bereich ist keine Aufgabe, die nur Spaß macht und die Helfer sich aussuchen können, was sie machen. Gerade in Patenschaften, die Studie favorisiert den hierarchiefreien Begriff „Integrationslotsen“, werden z.B. oft wertvolle Ehrenamtsstunden mit Wartezeiten auf (die Rückmeldung von) Ämtern vergeudet – das ist frustrierend.

Des Weiteren steht das Mitgefühl der ehrenamtlich Engagierten mit den Flüchtlingen und ihren Geschichten im Vordergrund und birgt in sich eine große Gefahr der Überlastung. Die Studie zeigt auch verschiedene Typen von Ehrenamtlichen auf, deren Motivation und Mitarbeit in der Flüchtlingshilfe.

Die Hauptamtlichen werden insgesamt in einem geringeren Umfang betrachtet, der Grund dafür kann nur vermutet werden. Es werden einige wesentliche Punkte herausgearbeitet, die die Zusammenarbeit zwischen Ehren- und Hauptamt schwieriger machen. Da sind zum einen die unterschiedlichen Ziele. Die Hauptamtlichen wollen ihre beruflichen Vorgaben optimal erfüllen und beharren z.B. auf der Einhaltung der Chancengleichheit, währen für die Ehrenamtlichen „das Beste“ für die Flüchtlinge, die sie begleiten, im Fokus steht. Der günstigste Fall wäre, wenn trotzdem eine konstruktive Zusammenarbeit angestrebt wird. Die vorhandenen Sprachbarrieren werden oft auf beiden Seiten stark unterschätzt, auch wenn der Flüchtling einigermaßen Deutsch sprechen kann.

Eine weitere Besonderheit in der Flüchtlingsarbeit ist die Menge an Koordinatorenstellen, die seit Herbst 2015 geschaffen wurden. Viele wurden, nach anfänglichen Schwierigkeiten, vom Ehrenamt gut aufgenommen. Aufgrund ihrer Anzahl, benötigten sie mit der Zeit jedoch selbst eine Koordination. Schwierig kann es wieder werden, wenn die bestehenden Programme auslaufen und die Stellen nicht verstetigt und weiter entwickelt wurden. Die Verstetigung und Weiterentwicklung ist genauso für die Ehrenamtskreise in der Flüchtlingsarbeit notwendig.

Zum Abschluss nenne ich noch zwei weitere Themen, welche für eine gute Beziehung zwischen Haupt und Ehrenamt verbessert werden sollten. Das ist zum einen der Informationsfluss zwischen Haupt- und Ehrenamt, natürlich unter Einhaltung des Datenschutzes. Zum anderen ist es die Kenntnis und praktische Akzeptanz der verschiedenen Rollen. Das Hauptamt hat eine klar definierte berufliche Rolle, während die Ehrenamtlichen meist in undefinierten Rollen und somit individuellen Freiheiten aktiv sind.

Die Studie bietet natürlich noch mehr Inhalte, als die hier genannten. Über diesen Link zum BAMF kommen Sie direkt zu der genannten Studie.

Aus meiner Sicht, können viele der Erkenntnisse auch auf weitere Bereiche übertragen werden, in denen zwischen Ehrenamt – Hauptamt und einer dritten Person/Gruppe ein Beziehungsdreieck gegeben ist. Das ist vorrangig in sozialen Bereichen der Fall.

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Matthias Mack (Ehrenamtskoordinator)

Gefördert aus Mitteln der Deutschen Fernsehlotterie.