EHRENAMT 4

Wer im Internet nach "Ehrenamt 4.0" sucht, findet zuerst Artikel des Deutschen Landfrauenverbandes oder entsprechende Kongresse und Ideenwettbewerbe aus Rheinland-Pfalz oder Süddeutschland.

Ehrenamt 4.0 ist ein Zukunftsthema, welches sich im Moment immer erkennbarer entwickelt. Angelehnt ist der Begriff an die sogenannte Industrie 4.0, die vierte industrielle Revolution, mit den intelligenter werdenden Maschinen. Da sich das Ehrenamt 4.0 noch in der Startphase befindet, sind auch die Beschreibungen nicht immer einheitlich. Trotzdem ist es wichtig, für alle, die mit ehrenamtlich tätigen Menschen zu tun haben, die neue Entwicklung genau zu beobachten und angemessen darauf zu reagieren.

Bereits die Zahl 4.0 legt nahe, dass es mindestens drei andere Entwicklungen vorher gab. Diese Entwicklungen zeige ich im Folgenden kurz auf. Es ist wichtig dabei zu bedenken, dass diese verschiedenen Entwicklungsstufen des Ehrenamts heute nebeneinander existieren und sich nicht komplett abgelöst haben. Trotzdem ist erkennbar, dass besonders das Ehrenamt 1.0 deutlich abnimmt. Auf diese Veränderung müssen Vereine und Organisationen reagieren, damit sie zukunftsfähig bleiben.

Ehrenamt 1.0

Es gehörte in der Mitte des 19. Jahrhunderts zum guten Ton, in einem Verein, einer Kirche, einer Partei oder anderen Organisation Mitglied zu sein. Eine besondere Ehre war mit einem Amt im Vorstand, Rat o.ä. verbunden. Somit trifft für diese Zeit der Begriff Ehrenamt am besten zu.

Ehrenamt 2.0

Als das gesamte Leben der Menschen immer individueller und flexibler gestaltet wurde, änderte sich in den 1980er Jahren auch das Verständnis des Ehrenamts. Es ging stärker zu einem projektbezogenen Einsatz über, welcher auch als "Lebensabschnittsengagement" bezeichnet wurde.

Ehrenamt 3.0

Der ehrenamtliche Einsatz bleibt weiterhin sehr projektbezogen, ist jedoch stärker auf Effektivität und Effizienz ausgerichtet. Die Ausrichtung seit den 1990er Jahren nimmt das Miteinander der Bürger und die Nachhaltigkeit stärker in dem Fokus. Durch die Nutzung des Internets nehmen Flexibilität und Anonymität des freiwilligen Engagements zu.

Ehrenamt 4.0

Der Einsatz der digitalen Möglichkeiten steigt deutlich an und die Social Media prägen mehr und mehr das Ehrenamt. Dadurch wird der Einsatz vielfältiger und unabhängiger von Organisationsformen, eher kommt es zu einer stärkeren Selbstorganisation. Das Ehrenamt - der Name ist hier nicht mehr passend - wird somit zunehmend flexibler, somit entfallen längere Bindungen an Aufgaben und durch einen häufigeren Wechsel wird es insgesamt auch unpersönlicher.

Diese Veränderungen fordern uns heraus, über die zukünftige Struktur unserer Organisationen und Vereine nachzudenken. Wir sollten uns nicht von neuen Entwicklungen überraschen lassen, sondern unseren Verein darauf vorbereiten, damit wir auch in einigen Jahren noch von dem Schatz der Mitarbeit freiwillig Engagierter profitieren können. Durch das Ehrenamt 4.0 wird der freiwillige Einsatz zunehmen - warum nicht auch für Ihre innovativen Projekte?

Matthias Mack

Ehrenamtskoordinator Asyl (Diakonie Pirna)

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